Wer hätte gedacht, das sich Syrien – ein Land bei dem man in erster Linie an Diktatoren und Wüste denkt – als der Ort mit der höchten Fruchtsaftladendichte entpuppen sollte. An jeder Ecke bekommt man die herrlichsten, frisch gepressten Fruchtsäfte. Neben Ernährungsfragen war auch sonst alles unglaublich einfach. Angefangen bei der Grenze, die wir gefürchtet hatten. Die einzige Frage die uns die Zöllner stellten, war: “kulu baby?” (haben Sie ein Baby dabei?). Für die weiteren Einreisefomalitäten war die Verneinung dieser Frage allerdings bedeutungslos.
Nach einem kurzen Stop in Damaskus sind wir gleich in den Norden weitergefahren. Bei grauem Regenwetter haben wir uns den Tempel von Dumayr und das spätbronzezeitliche Qatna angeschaut. Dabei haben wir unsere ganz eigenen Erfahrungen mit dem Baumaterial der Tellsiedlung gemacht: Unsere Schuhe wieder von den gigantischen Lehmklumpen zu befreien dauerte fast ebenso lange wie die Besichtigung selbst. In den Autos bildete der Lehm aus Qatna nur die unterste Schicht von vielen die noch folgen sollten.
Hama ist vor allem für seine Wasserräder bekannt, mit deren Hilfe das Wasser des Orontes schon seit der Antike für die Bewässerung genutzt wird.

Von Hama aus fuhren wir vom Fruchtsaft gestärkt zu den abgelegenen Orten Ibn Wardan, Androna und dem bronzezeitllichen Ebla. Erstere sind wunderschöne Beispiele für byzantinische Architektur, die zeigen, dass es durchaus handwerklich qualitätvoll gearbeitete Gebäude aus dieser Zeit gibt, die zudem auch gänzlich ohne Spolien auskommen.
Wie alles in Syrien war bisher auch die Unterkunftfrage einfach gewesen. “Sie möchten vor meinem Hotel in Ihrem Auto schlafen? Kein Problem.” Nur in Aleppo waren die Gassen einfach zu eng. So kamen wir alle in einem Hostel unter, während die Busse im Sheraton Quatier bezogen – die Prioriäten sind also deutlich.
Das Museum und die islamischen Denkmäler gehören zu den schönste, die wir in Syrien gesehen haben.

Der späthethische Tell Ain Dara wird seit 3000 Jahren von riesigen Basaltlöwen bewacht. Freundlicher erwiesen sich die Bewacher der archäologischen Stätte: Regen, Schlamm und schechte Straßen hatten unsere Busse schon seit Tagen in zwei graubrauen Kisten mit kleinen Gucklöchern in der Frontscheibe verwandelt. Als wir – ebenfalls schlammverschmiert – vom Tell zurück kamen überraschten uns zwei blitzsaubere Autos in rot und weiß. Ein Service, den man gerne an allen archäologischen Stätten einführen könnte.

Von seiner schönsten Seite zeigte sich der syrische Frühling in den “Toten Stätdten”, die in der Spätantike blühten, dann aber aufgegeben wurden und sich durch fehlende Nachbesiedlung hervorragend erhalten haben. Bei vielen Bauten fehlt lediglich das Dach.

Der heilige Simeon verbachte 30 Jahre seines Lebens auf einer Säule, was bei den Gläubigen derartige Bewunderung auslöste, dass man um diese Säule eine riesige Klosteranlage, ein wahres Pilgerzentrum, bauen musste.

Der Ausblick macht eine längere Verweildauer an diesem Ort nachvollziehbar. Aber 30 Jahre?
